Er stammt aus Thun und hat den Blues in den USA gesucht. Ist ausgewandert, hat sich der amerikanischen Blueslegende Johnny Copeland an die Fersen geheftet und mit Konzerten und CDs eine eigene amerikanische Karriere versucht. Dann ist Philipp Fankhauser in die Schweiz zurück-gekehrt und hat sich als Songwriter und Sänger gefunden. „Love Man Riding“, sein neues Album, das er diese Woche im Zürcher Kaufleuten vorstellt, ist die Platte eines Musikers, der eine klare Idee davon hat, was er kann. Und darüber, was das ist, der Blues.
Wenn er sie denn je hatte, so haben ihm die Jahre in den USA die allzu romantischen Vorstellungen über den Blues jedenfalls ausgetrieben. Fankhausers Blues ist keiner, der aus der weissen Mittelklasse nach unten, in die Abgründe der afroamerikanischen Geschichte drängt. Dieser Blues ist gefühlt, sehr wohl, doch drängt er aus der Tristesse nach oben – auf die grosse Bühne, auf der man Anzug trägt. Es ist folglich ein Blues, der nicht dreckig sein will, der vielmehr nach Eleganz und Klasse strebt und musikalischen Glanz versprüht. Hier nun erreicht Fankhauser alles, was man sich wünscht; und wer ihm vorwirft, seine feinen, wohltemperierten Songs spülten den Blues weich, liegt gerade falsch: Er ist damit in die Tradition der grossen Bluessänger eingetreten. Fragen Sie Buddy Guy, B.B. King oder Robert Cray.
Dabei variiert Fankhauser in den zwölf neuen Songs kaum mehr als das immerwährende Bluesthema vom verlassenen Liebhaber. Aber wie er es tut, überzeugt rundum. Mehr als je zuvor setzt Fankhauser auf seine grösste Stärke, nämlich die zwischen Blues und Soul eingerichtete Ballade. Die Songs sitzen, die Band spielt mit dem gerade nötigen Druck und so geschmeidig wie möglich, es gibt keine Kreischgitarren und kein herausgestelltes Leiden. Vielmehr singt Fankhauser „I Didn’t See (The Best Of You)“ und „Easy For You To Say“, die zwei herausragenden Melodramen der CD, so genussvoll , dass grosses Entertainment daraus wird.
Christoph Fellmann
